bookmark_borderAlain Claude Sulzer: Postskriptum

Die, die unscheinbar sind, die von den anderen nicht gesehen werden, verwandelt der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer in seinen Romanen in literarische Figuren, die im Gedächtnis bleiben. Von stilistischer Zauberhand erschafft er eine Geschichte, in der diese Unscheinbaren einmal im Leben für einen flüchtigen Augenblick eben doch sichtbar werden, wie der Schweizer Postangestellte Walter, der im Hotel Waldhaus in Sils Maria seinem großen Schwarm, dem berühmten Schauspieler Lionel Kupfer begegnet, wohin dieser sich zurückgezogen hat, um eine neue Filmrolle zu erarbeiten. Es ist das Jahr 1933, das auch den jüdischen Filmstar jäh in den Schatten der Unsichtbarkeit zwingt. Von den Filmproduzenten ebenso fallengelassen wie von seinem Liebhaber, dem intriganten Kunsthändler Eduard, sieht sich Kupfer zur Emigration gezwungen. Erst Jahrzehnte später, so verrät es der Epilog, wird dem von seinem einst jubelnden Publikum opportunistisch Vergessenen noch einmal ein Alterserfolg im Exil in den USA beschieden sein.

Postskriptum ist ein Künstlerroman, der mit Lionel Kupfer eine Figur enwirft, die zwar fiktiv ist, sich jedoch aus vielen Künstlerbiographien zusammensetzt, die mit dem Erstarken des Nationalsozialismus zerstört oder zumindest nachhaltig erschüttert wurden. Sulzer erzählt in seinem schmalen Buch folgerichtig auch nicht den Aufstieg des von ihm erdachten Künstlers, sondern konzentriert sich auf die inneren Schlüsselmomente seines Lebens, bei denen die umgekehrte Richtung des Fallens entscheidend ist. Der zentrale Fall Kupfers im Jahr 1933 wird von einem Prolog und einem Epilog gerahmt. Im Prolog erfährt man von der ganz privaten Familientragödie, die den kleinen Jungen Lionel, der ein begabter Zeichner war, den Weg der Schauspielerei hat einschlagen lassen; im Epilog zeigt Kupfer den gealterten Schauspieler noch einmal in seiner Einsamkeit im Exil.

In diesem mit so leichten Strichen skizzierten Roman verdichten sich verschiedene Motive zu einem Porträt, das nicht nur das kurz aufflackernde und wieder erlöschende Leuchten ganz verschiedener Gestalten einfängt, sondern auch einen Epochenbruch. Es ist auch die Zeit, die die Menschen voneinander trennt. Sie bringt das Gute oder Schlechte in den Menschen hervor, führt, im Falle der Beziehung Kupfers und Eduards, zu Verrat und Illoyalität, im Falle der von Kupfer und Walter zu unsichtbar bleibender Treue. Am Motiv der Homosexualität, die 1933 nicht weniger verdammt war als die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion, zeigt Alain Claude Sulzer, wie gesellschaftliche Unsichtbarkeit gleitend in gesellschaftliche Unansehnlichkeit übergeht. Auch die traurige Geschichte von Walters Mutter, der Analphabetin Theres, fügt sich in dieses motivische Textgewebe ein, geht sie einem doch gerade deshalb so tief ins Herz, weil der Autor ebensowenig große Worte darum macht wie seine Figur. Gerade weil die Figuren auf eine Revolte verzichten, bewegen einen die keineswegs nüchtern, aber mit poetischer Selbstverständlichkeit gezeichneten Schicksale umso mehr.

Bibliographische Angaben
Alain Claude Sulzer: Postskriptum [2015], Kiepenheuer & Witsch 2017
ISBN: 9783462050394

Bildquelle
Alain Claude Sulzer, Postskriptum
© 2024 Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG, Köln

bookmark_borderRaphaela Edelbauer: DAVE

Mit DAVE bewegt sich die österreichische Autorin Raphaela Edelbauer in einem gänzlich anderen Genre als mit ihrem so entlarvenden wie witzigen wie sinnlichen Vorgängerroman Das flüssige Land über die verdrängte braune Vergangenheit Österreichs (vgl. Rezension vom 7.5.2020) und auch als mit dem 2023 erschienenen Nachfolgeroman Die Inkommensurablen über das Freudsche Unterbewusstsein der kakanischen Bevölkerung kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (Rezension folgt!). Die Geschichte von DAVE spielt in der sogenannten „nahen Zukunft“ und gehört damit einer unmittelbar an unsere Gegenwart anknüpfenden Science-Fiction an, der Near-Future, mit der etwa auch Zoë Beck in Memoria (vgl. Rezension vom 18.12.2023) oder Paradise City (vgl. Rezension vom 25.9.2020) experimentiert.

Und doch finden sich beim Lesen von DAVE Ähnlichkeiten zu Edelbauers auf den ersten Blick historisch verwurzelteren Stoffen, man könnte von einer metaphorischen Verwandtschaft all ihrer Texte sprechen. Denn alle entwerfen sie eine Welt, die zu bröckeln beginnt, die um die Figuren herum immer poröser wird, in der Gewissheiten erschüttert werden und in der das Ich sich zusammen mit dieser im Einsturz begriffenen Welt aufzulösen droht. Die künstliche Intelligenz DAVE ist so fluide wie die Erinnerung und das Unterbewusstsein in Edelbauers anderen Romanen, und auch sie entspringt einer Welt, in der Verunsicherung und Manipulation in einer mehr als riskanten Beziehung stehen.

In einer solchen Umgebung erstaunt es nicht, dass auch der Ich-Erzähler selbst, der sich Syz nennt, ein unzuverlässiger Erzähler ist. Syz ist Programmierer und trotz seiner seit Kindertagen manifesten mathematischen Begabung, von der man im Laufe der Erzählung erfährt, nur ein Rädchen im Getriebe eines riesigen von der Informationstechnik beherrschten Komplexes, in dem eine Unzahl an Menschen arbeiten und existieren. Es ist eine Welt, deren dystopische Fremdheit und Entfremdung einem nach und nach immer plastischer vor Augen tritt, und die aus nur einem, dafür aber monströsen Gebäude zu bestehen scheint, in dem die Menschen von einer angeblich durch eine Katastrophe unbewohnbar gewordenen Außenwelt abgeschottet ihr gesamtes Dasein verbringen. Der Komplex ist nach einer strengen Hierarchie in verschiedene Etagen gegliedert, unten befindet sich alles, was zur materiellen Produktion gehört, oben residieren die Rechner und diejenigen, die sie bedienen, die Techniker und Informatiker. Auf dieser Ebene befindet sich auch, als quasireligiöses Zentrum, das wie ein Hochsicherheitstrakt abgesperrte Labor, in dem die Computer mit DAVE stehen, dem Programm, das zur heilbringenden künstlichen Intelligenz transformiert werden soll.

Der unscheinbare Syz, dessen Begabung aus einem anfangs unklaren Grund bisher in keiner gehobenen Position in dieser computerbeherrschten Hierarchie gemündet ist, sieht sich auf einmal mit einer streng geheimen und verantwortungsvollen, ja höchst riskanten Mission betraut. Ohne dass diese Information die Mauern des heiligen Zentrums verlassen darf, soll von seinem persönlichen Gedächtnis ein Abbild gemacht und Schritt für Schritt, in immer größerer Perfektion und Datenfeinheit, DAVE eingespeist werden. Der Computer soll nach einer ganz individuellen Menschenpersönlichkeit geformt werden, damit auf diese Weise endlich der entscheidende Entwicklungsschritt gelingen kann, nämlich eine bewusste K.I. hervorzubringen, die sich von den Vorgängern, die alle mehr oder weniger schnell und genau rechnende, aber letztlich unpersönliche Datenspeicher waren, grundlegend unterscheidet. Syz, der nach und nach begreift, in was für ein gefährliches Projekt er da involviert ist, gerät in einen Strudel von Ereignissen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und sein Gewissen, seine Identität, sein ganzes Leben in Zweifel stürzen. Er beginnt, heimlich Nachforschungen anzustellen, um herauszufinden, was mit seinem verschollenen Vorgänger passiert ist, der vor ihm für DAVEs Bewusstseinsspeisung zuständig war, und worum es sich bei DAVE wirklich handelt: um ein fortschrittliches Projekt, um eine gemeinnützige Forschung zur Rettung der Menschheit, um ein perfides Instrument zur Überwachung und Unterdrückung oder schlichtweg um heillosen Größenwahn.

Die hier nur in den gröbsten Zügen zusammengefasste Handlung liest sich wie ein Thriller, und mindestens ebenso spannend sind die vielfältigen wissenschaftlichen und wissenschaftsgeschichtlichen Diskurse, die Raphaela Edelbauer in ihren Text hineinstrickt: Geschichtliches zur K.I. und zum Thema Mensch und Maschine, das die Menschheit schon seit Jahrhunderten fasziniert und provoziert, Mathematisch-Philosphisches zum Paradox der Möglichkeit eines künstlichen Bewusstseins, detailreiche Hintergründe zu Mnemotechniken und Gedächtnistheorien, deren praktische Anwendung anschaulich in die Handlung eingebaut wird. Das ist literarisch bewundernswert zusammengefügt, einzig die sehr mit Fremdwörtern angereicherte Sprache und der inzwischen ja leider häufiger zu lesende transitive Gebrauch von „erinnern“ haben mein stilistisches Empfinden beim Lesen mitunter leicht irritiert. Was mir umso mehr gefallen hat, ist der auch in diesem Buch, das ja augenfällig stark dystopische Züge aufweist, unterschwellig nie versiegende Humor, der immer wieder für befreiende und entlarvende Momente sorgt. Die erste Begegnung zwischen Syz und der Frau, mit der sich im Roman eine Liebesgeschichte andeutet, gestaltet die Autorin in einem Dialog, der exemplarisch für ihren intelligent-humorvollen Stil ist:

„Hast du Sofware- oder Maschinendesign studiert? Wofür schule ich dich überhaupt ein?“ —
„Weder noch — ich gehöre zu den unteren zwanzig Prozent“, sagte sie grinsend und ließ sich auf einen Stuhl an einem freien Tisch fallen. „Ich bin Medizinerin.“ — „Du arbeitest mit Menschen?“

Raphaela Edelbauer, DAVE

Eine grundlegende Skepsis gegenüber einer durchdigitalisierten, von künstlichen Intelligenzen bevölkerten Gesellschaft scheint im Text immer wieder durch. Edelbauer denkt das, was gegenwärtig passiert, konsequent weiter und malt es in drastischen Farben aus, um zu erproben, ob die in DAVE angestrebte Optimierung selbst lernender Datensysteme in der Form erstrebenswert oder aber überhaupt möglich ist.

„Wenn DAVE jedes Detail der Welt kennt, jeden Blickwinkel gleichzeitig einnimmt, ist er gelähmt, weil keine Handlung, kein Satz mehr vor den anderen Vorrang besitzt“, sagte Garaus [ein Freund von Syz].

Raphaela Edelbauer, DAVE

Das Argument wird schon länger diskutiert, wenn es etwa um die Problematik ethischer Verantwortung bei autonom fahrenden Automobilen geht. Doch die Gefahren, die für die Gesellschaft entstehen können, wenn Computer die menschliche Intelligenz immer genauer nachbilden oder sogar übertreffen können, sind vielleicht weniger akut als der Umkehrschluss. Denn liegt nicht ein weit größeres und wahrscheinlicheres Risiko in dem Umfang, in dem die Gesellschaft computerförmig gemacht wird? Diese Entwicklung ist längst in Gang gesetzt, schleichend, unsichtbar hinter den scheinbar so rationalen Prozessen der digitalisierten, smarten Systeme verborgen. Wenn wir Menschen uns mehr oder weniger freiwillig in Algorithmen pressen lassen, unser Denken, unser Handeln an deren rein zahlenbasierte — und menschlicher Manipulation ausgelieferter — Logik anpassen, ist das im Grunde weitaus erschreckender und ethisch fragwürdiger als der eher unwahrscheinliche Coup einer zum Leben erweckten K.I. Auf science-fictionalem Wege weitergedacht mündet eine solche Algorithmengläubigkeit darin, dass wir, wie Syz in Edelbauers Roman, in den Alptraum einer Simulation geraten — und zwar mit vollem Bewusstsein. DAVE führt uns zugespitzt den Schrecken einer ewigen Gleichförmigkeit und Wiederholung in einer solchen nur aus Algorithmen bestehenden Welt vor Augen, die uns zu Gefangenen ohne jede Autonomie und Entscheidungsfreiheit macht, welche ja gerade die zentralen Werte unseres Menschseins sind.

Raphaela Edelbauer lässt ihre Leser jedoch zum Glück nicht ohne jede Hoffnung. Das ambitionierte Projekt DAVE ist keineswegs so perfekt durchdacht, wie es seine Erfinder glauben lassen. Und dann ist da immer noch die letztlich unkalkulierbare Variable des Menschlichen, die auch der optimiertesten Technik Hals über Kopf einen Strich durch die Rechnung machen kann:

„Das Beharren auf Schönheit ist eine der fünf Kardinalsünden, die die Vollendung DAVEs verhindern.“ Weitere waren außerdem: der Schlaf, die Trödelei, das Tippen mit weniger als acht Fingern sowie natürlich der Geschlechtstrieb.

Raphaela Edelbauer, DAVE

Bibliographische Angaben
Raphaela Edelbauer: DAVE, Klett-Cotta 2021
ISBN: 9783608964738

Bildquelle
Raphaela Edelbauer, DAVE
© 2024 Klett-Cotta Verlag J.G. Cotta sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart

bookmark_borderTerézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens

Madame Bovary, Anna Karenina, Effi Briest, Jane Eyre sind absolute Klassiker, deren Titelheldinnen mit ihren unvergesslichen Namen wie Leuchtsterne am Himmel der Literaturgeschichte prangen. Terézia Moras Titelfigur Muna hätte vielleicht das Zeug dazu, diese Tradition über den Text hinaus funkelnder Romannamen fortzusetzen, von denen es genügt, sie auszusprechen, um sofort das Bild einer ganzen Welt entstehen zu lassen, in der sich diese Figuren bewegen, in der sie leiden und lieben, scheitern und jubilieren. Die eigenwillige und tragische Strahlkraft dazu hätte Muna allemal. Muna, diese Figur, die ganz unserer Gegenwart entspringt, ein blühender Charakter dieser Zeit, die gerade im Vergehen ist, dem Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert; noch in der DDR geboren und aufgewachsen, nähert sie sich erwachsen werdend unserer Gegenwart. Die Autorin hat angekündigt, Muna eine Triologie zu widmen, diesmal mit einer weiblichen Hauptfigur, nachdem sie mit Darius Kopp zuvor eine männliche Figur ins Zentrum dreier zusammenhängender Romane gestellt hatte; die Schwelle zum 21. Jahrhundert wird also gewiss in den versprochenen folgenden Romanen überschritten werden.

Muna oder Die Hälfte des Lebens ist, gleichwohl der Text sich auf die Biogaphie nur einer Figur, eben derjenigen Munas, konzentriert, ein Gesellschaftsroman, der sich zu einem großen Teil im Prekariat des Medien- und Wissenschaftsbereichs ereignet, in dem die keineswegs unbegabte junge Frau bald nach ihrem Abitur gestrandet ist. Terézia Mora erzählt auch die Vorgeschichte, Munas Kindheit und Jugend, die sie bereits in prekär zu nennenden Verhältnissen verbracht hat und denen sie mit dem Elan und der Chuzpe einer willensstarken Jugendlichen zu entkommen versucht. Als Heranwachsende muss sie mit dem frühen Krebstod des Vaters und mit einer emotional unzuverlässigen Mutter klarkommen, einer Theaterschauspielerin, deren Stern längst erloschen ist und die das Entrinnen von beruflichem Glanz und Schönheit in einer gefährlichen Mischung aus Alkohol und Tabletten ertränkt. Als Muna für eine Zeitung und dann für einen Verlag arbeiten darf, wenn auch nur als schlecht bezahlte, aber umso engagiertere Praktikantin, sieht sie hier, im Schreiben, eine Tür nach draußen offenstehen. Gleichzeitig nimmt sie ein Studium auf, lernt neben dem Kulturbereich auch das Wissenschaftsmilieu kennen und bekommt bald am eigenen Leib zu spüren, dass trotz ihrer unterschiedlichen Klientele beide Milieus auf ähnliche Weise so hoffnungmachend wie desillusionierend sind. Während Muna zwischen der Verlagsarbeit und der Universität pendelt, wird sie in einem weiterhin hierarchisch dominierten Umfeld immer wieder ausgenutzt; ob freiwillig oder unfreiwillig, da verschwimmen die Grenzen. Und es sind zwar oft, aber bei weitem nicht nur Männer, die sich ihre unterlegene Position im beruflichen Kontext zunutze machen. Das Gerangel um Erfolg, um Gesehenwerden, Anerkennung und der Belohnung mit einer soliden, gut bezahlten Stelle macht die darin Mitspielenden zu Tieren, die mit dem ständigen Druck mehr oder weniger gut zurechtkommen.

Am Beispiel der Hauptfigur Muna, die einem in all ihrer Widersprüchlichkeit ganz nahe gebracht wird — sie ist schön und sie ist unsicher, sie ist intelligent und sie ist unerfahren –, wird spürbar, was es heute bedeutet, eine Frau zu sein, in der Öffentlichkeit und im Privaten. Munas Verletzlichkeit springt einem immer wieder ins Auge, ja, geht aus der Sprache des Textes selbst hervor, der ganz aus ihrer Perspektive erzählt wird. Gleichzeitig verwandelt sie ihre Verletzlichkeit, die nicht nur, aber eben doch sehr viel mit ihrer Weiblichkeit zu tun hat, immer wieder in Stärke. Ihre Wirkung auf andere ist schillernd: mal aufreizend, mal provokativ, mal naiv, mal manipulativ. All dies sind Zuschreibungen, die Munas inneres Fühlen und Denken verfehlen, aber doch in gewissem Grade beeinflussen und formen. Unscheinbar ist sie jedenfalls nicht, doch der Grund, weshalb sie auffällt, unterscheidet sich oft himmelweit von dem, was sie sich eigentlich vorgestellt oder erhofft hat, und ruft zudem Gefühle auf den Plan, die einem Miteinander auf Augenhöhe im Weg stehen.

Vor diesem Hintergrund kann die „romantische“ Beziehung von Muna und Magnus, die im Mittelpunkt der Handlung steht und ihr Dreh- und Angelpunkt wird, ihre fatale Dynamik entwickeln. Muna lernt den deutlich älteren Magnus, einen Fotografen und Französischlehrer, bei einem Praktikum kennen. Von Anfang an ist sie fasziniert von ihm, und von Anfang an tritt er als ein kurzangebundener, misanthropischer Mensch auf. Er ist ein unverbindlicher, sich entziehender Charakter, ein Mann, der nach einer gemeinsamen Nacht verschwindet und jahrelang kein Lebenszeichen von sich gibt, der sich, wie Muna bei ihren hartnäckigen und doch erfolglosen Nachforschungen erfährt, in den Westen abgesetzt hat, um dort seine akademische Laufbahn in Gang zu bringen. Nach sieben langen Jahren, in denen Muna ihn nicht vergessen kann, taucht er plötzlich wieder auf, und die ungleiche Beziehung zwischen ihnen nimmt ihren zerstörerischen Lauf.

Das Besondere und besonders Fesselnde ist die Art, wie dieser amour fou sich stilistisch und kompositorisch im Text entfaltet. Alles wird aus Munas Perspektive wiedergegeben, deren Blick ein so radikal subjektiver wie um Aufrichtigkeit bemühter ist. Ihre manischen Phasen, ihr selbstzerstörerisches Verhalten werden ausschließlich aus der Sicht der davon Betroffenen selbst erzählt. Das Neben- und Ineinander ihrer im Schreiben gesuchten Wahrhaftigkeit und ihrer emotionalen Verblendung ist hochspannend zu lesen, und es ist beeindruckend, wie diese erzählerische Unmittelbarkeit doch wieder erzählerisch vermittelt wird. Terézia Mora, deren experimentellen Umgang mit Sprache, mit Text man zum Beispiel auch aus dem Roman Das Ungeheuer kennt, in dem ein Paralleltext im Fußnotenbereich der Seiten die eigentliche Erzählung begleitet und in neuem Licht erscheinen lässt, arbeitet hierfür diesmal auch mit Klammern und Einschüben. So entsteht ein Text, der sich immer wieder selbst korrigiert, mit der Diskrepanz und Bedingtheit von Innen und Außen spielt und das Zweifeln und Sehnen, Denken und unaufhörliche Hinterfragen einer zugleich starken und schwachen, rebellischen und unterwürfigen, berechnenden und naiven, zielstrebigen und schwankenden, eben nicht auf eine einfache Formel zu bringenden Hauptfigur abzubilden vermag.

Nicht nur Muna selbst übrigens, sondern auch die zahlreichen anderen Figuren, denen sie begegnet, sind zum Großteil gebrochene, geschädigte Charaktere, zumindest aber Menschen, deren Hoffnungen und Pläne Kompromisse mit der Wirklichkeit eingehen mussten. Manchmal verbergen sie sich hinter einer strahlenden Fassade, manchmal sind die Risse schon deutlich nach außen hin sichtbar. Doch die Gewalttätigkeit, die nicht selten dahinter lauert, überrascht die junge Muna mehr als einmal. Für den Leser ist sie schockierend, gerade weil sie sich so scheinbar logisch aus den Handlungen heraus entfaltet.

Bibliographische Angaben
Terézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens, Luchterhand 2023
ISBN: 9783630874968

Bildquelle
Terézia Mora, Muna oder Die Hälfte des Lebens
© 2024 Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München

bookmark_borderSally Rooney: Schöne Welt, wo bist du

Schon Gespräche mit Freunden, den ersten Roman der irischen Autorin Sally Rooney, habe ich gerade deshalb so gerne gelesen, weil Rooney ihre Figuren mit so leicht wirkender Feder in ihren Worten und Gedanken den Lesern nahekommen lässt, auch wenn sie einer anderen Lebenswelt angehören als man selbst. Auch in ihrem inzwischen dritten und wieder von Zoë Beck übersetzten Roman, Schöne Welt, wo bist du, ist man schon nach den ersten Seiten ganz bei den zwei Hauptfiguren, zwei jungen Frauen aus Irland, einer Schriftstellerin und einer Verlagsmitarbeiterin, deren Innenwelten sich im erzählerischen Perspektivenwechsel einer elektronischen Brieffreundschaft entfalten.

Das erzähltechnisch Auffällige und, wie ich finde, auch besonders Spannende und Spannungsreiche, ist in diesem Roman allerdings ein stilistischer Bruch, der dadurch entsteht, dass zwischen die Kapitel der Korrespondenz, in der die Ich-Perspektive eine tiefe Einfühlung in die Gefühle und Gedanken der Figur ermöglicht, noch eine weitere Erzählperspektive eingeschoben wird, die im Gegensatz dazu einen kühlen, nüchternen Blick von außen auf das Geschehen richtet. In externer Fokalisierung werden die Figuren und ihr Handeln wie mit einer Filmkamera gezeigt, es wird ganz nah herangezoomt, ohne in ihr Inneres hineinzuschauen.

Im Fokus dieses kühlen Kamerablicks sowie der in deutlich erhitzterem Ton verfassten Mails stehen vier junge Menschen aus Irland, vier junge Europäer, könnte man vielleicht auch sagen: die Freudinnen Alice und Eileen, von denen sich die eine, die Schriftstellerin, zum Schreiben, oder für einen Bruch mit ihrer bisherigen umtriebigen Lebensweise, in ein Haus auf dem Land zurückgezogen hat, während die andere in Dublin geblieben ist, wo sie in bescheidenen Verhältnissen für eine Literaturzeitschrift arbeitet; und in gewisser Symmetrie dazu die beiden Männer Felix und Simon, die man nur aus der Außenperspektive der beiden Frauen und, in wiedererkennbarem Rooney-Duktus gestaltet, aus derjenigen der wiedergegebenen Dialoge kennenlernt. Diese vier stehen in nicht ganz eindeutig zu bestimmenden näheren Verhältnissen der Freundschaft, der Liebe, und eines fließenden Dazwischen, zueinander. Ihre freundschaftlichen und amourösen Beziehungen bilden das Zentrum des Romans, um das sich peripher, aber durch viele kaum auflösbare Knoten verknüpft, die in unserem Jahrhundert großen Themen des Arbeitens, Wohnens und ganz allgemein des Lebenswandels legen. Anders, als es heute bisweilen dargestellt wird, sind diese jungen Leute aber keine apolitischen, weltfremden Ignoranten ihrer Umwelt, sondern sich ihres Daseins in einer krisengeschüttelten Welt sehr bewusst. Lebenskrisen, Beziehungskrisen und gesellschaftliche Krisen gehen in ihrer sensiblen Wahrnehmung jedoch ineinander über, Selbstzweifel und Selbstironie liegen manchmal nah beieinander, ohne deshalb gleich der Versuchung des Relativierens zu erliegen.

Gerade im Medium des elektronischen Briefes, der sich freilich in Buchform auch nicht anders liest als eine klassische Korrespondenz, verschmelzen Emotionalität und Intellektualität auf eine nach Offenbarung suchende Weise miteinander. Der Anklang an den Briefroman, als literarischer Ausdruck der Empfindsamkeit, als Feier der Freundschaft und der Authentizität, ist nicht zu übersehen. Und doch, alles andere würde heute wahrscheinlich als naiv bezeichnet werden, steht er unter anderen Vorzeichen. Die Briefeschreiberinnen nehmen kein Blatt vor den Mund, scheuen keine Direktheit, ihre Worte könnten für die andere sehr verletzend sein, wenn sie sich nicht so gut kennen und verstehen würden. Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit sind oft nicht voneinander zu trennen, doch Sally Rooney lässt auch Wärme und Humor durch ihre Zeilen hindurch schimmern und geht nicht soweit, ein gewisses Wohlgefühl des Lesers zu zerstören. So wird das Briefeschreiben zu einem feinen, einem präzisen, verästelten Befragen und Selbstbefragen, ein permanentes Suchen nach der richtigen Deutung. Immer wieder wird eine neue Facette eines Gefühls, einer Handlungsmotivation ergänzt, mit feinsten Antennen ein noch so kleines intellektuelles Detail oder eine emotionale Schwingung aufgespürt. Das Einander-Schreiben wird zum Ausdruck einer fortwährenden und letztlich unabschließbaren Suche nach Wahrheit, nach der Wahrheit über den anderen, über sich selbst, über die gegenseitigen Beziehungen. Dabei tasten sich die beiden Briefeschreiberinnen fast zwangsläufig an eine Metaphysik heran, die sie sonst aus Verstandesgründen ablehnen, die ihrer Aufgeklärtheit, ja manchmal geradezu Abgeklärtheit zu widersprechen scheint. Je länger sie schreiben, desto mehr kommt auch ihre Verletzlichkeit, die sie zugleich fürchten und ersehnen, an die Oberfläche der Worte.

In derselben Weise, in der, vorsichtig und doch mit Nachdruck, an der Oberfläche der Gefühle gekratzt und dann richtig gegraben wird, seziert der Roman auch die gegenwärtigen Diskurse über Beziehungen, Geschlechterrollen, Identität, gerade ohne das Deckmäntelchen einer es sich zu einfach machenden politischen Korrektheit. Dieses wird ohne Scham heruntergezogen, und enthüllt erstaunlicherweise ein anderes Erleben von Schamhaftigkeit, die eigene Verletzlichkeit und die des anderen.

Der Titel des Romans zitiert einen Vers aus einem berühmten Gedicht von Friedrich Schiller, Die Götter Griechenlands, ein nostalgischer Verweis auf eine vom Göttlichen erfüllte Natur, Ausdruck einer längst nicht mehr zu stillenden Sehnsucht nach einer beseelten mythischen Ursprungszeit; und gleichzeitig klingt in dieser Zeile auch Aldous Huxleys „schöne neue Welt“ an, in der die Utopie ja klar ins Negative gewendet wird. Beides, die Sehnsucht und die Entzauberung, widerstreiten in Sally Rooneys Roman, in dem sich die Autorin wieder als eine Stilistin des Dialogs erweist, des locker leichten und niemals bloß oberflächlichen Gesprächs.

Bibliographische Angaben
Sally Rooney: Schöne Welt, wo bist du, Claasen 2021
Aus dem Englischen von Zoë Beck
ISBN: 9783546100502

Bildquelle
Sally Rooney, Schöne Welt, wo bist du
© 2021 Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

bookmark_borderWolf Haas: Eigentum

Wenn Wolf Haas die Lebensgeschichte seiner Mutter in Erzählform packt, dann ist klar, dass daraus kein pathetischer Roman entsteht, auch wenn das Leben seiner Mutter, die 1923 in ein es nicht gerade gut mit ihr meinendes Jahrhundert geboren wurde, durchaus Stoff dafür bereitgehalten hätte: Im zarten Mädchenalter aus einer kinderreichen Familie als Dienstmagd zu einem wohlhabenderen Bauern in Pflege gegeben, als junge Frau im Krieg zum Arbeitsdienst nach Deutschland verschickt, mit einem Baby im Bauch die Schweiz verlassend, wo sie als Nichtschweizerin noch dankbar für den mageren Lohn sein musste, den sie verdiente, aus dem inzwischen auch mit ihren hart erarbeiteten Ersparnissen neu erbauten Elternhaus bald wieder verjagt, hat sie erst spät im Leben einen eigenen Platz gefunden, und auch der war sehr beschränkt — und nur zur Miete.

Doch Haas, der das wohlmeinend-kategorische Diktum seines älteren Dichterkollegen, „Lass weg, Haas“, mit einer deutlichen Spur Selbstironie verinnerlicht hat, geht die Sache anders an. In nüchtern-charmantem Wolf-Haas-Ton, der hier doch trotz aller schroffen, kratzbürstigen Direktheit auch eine nicht wegzuschreibende Sohnesliebe zur inzwischen kurz vor dem Tod stehenden Mutter durchscheinen lässt, erinnert er sich bei einem Besuch in seinem Geburtsort, der nun auch der Sterbeort seiner Mutter wird, und während er eigentlich eine Poetikvorlesung konzipieren will, an die oft mantraartig wiederholten Bruchstücke von Erzählungen und Lebensweisheiten, die seine Mutter ihm, seit er denken kann, wieder und wieder in ihrem vom Autor natürlich köstlich wiedergegebenen österreichischen Dialekt vorgebetet hat, so dass schon der kleine Wolf Haas ihre einer vielfach enttäuschten Hoffnung erwachsenen Glaubenssätze zum Sparen und Erwerben eines eigenen Heims verinnerlicht hat. Ironischerweise wird ihr der lebenslang gehegte Wunsch erst nach dem Tod erfüllt, ihr erstes Eigentum sind die paar Quadratmeter Friedhofserde, in die sie als Tote gebettet wird, was ihr am Ende ihres Lebens zur anfänglichen Irritation ihres Sohnes ein Grund zur Genugtuung wird.

Das Reflektieren solcher absurd wirkender und doch in voller Überzeugung gelebter Glaubenssätze ist der Gegenstand der Erzählung, in der mal schalkhafte, mal bitterböse Ironie und anteilnehmende Rekonstruktion eines vom Schicksal durcheinander gewirbelten Lebens einander nicht ausschließen.

Bibliographische Angaben
Wolf Haas: Eigentum, Hanser 2023
ISBN: 9783446278332

Bildquelle
Wolf Haas, Eigentum
© 2023 Carl Hanser Verlag, München

bookmark_borderDrago Jančar: Als die Welt enstand

Drago Jančar erdichtet in einem mythisch aufgeladenen und doch sehr diesseitigen und geschichtsbewussten Buch den biblischen Mythos von David neu, bringt ihn variantenreich und getragen von einer kraftvollen poetischen Stimme im Jugoslawien der Nachkriegszeit zur erzählerischen Entfaltung. In der so unscheinbaren wie traurigen und zeitlosen Geschichte der schönen jungen Helena, genannt Lena oder Lenca, die ins Haus gegenüber von Danijel einzieht, dem zum Zeitpunkt der Geschichte jugendlichen Erzähler, die sich zuerst in den etwas grobschlächtig und einfältig wirkenden, aber handwerklich begabten Pepi verliebt, dann in den vagabundierenden Frauenhelden Ljubo, sowie in den diese Liebesintrige umwirkenden Geschichten ihrer Nachbarn verwirklicht sich zum wohl xten Mal seit der Entstehung der Welt die Geschichte von David und Goliath, die auch die von David und Batseba ist. Es geht um Gewalt und Begehren, um Gut und Böse, um Ressentiment und Zugehörigkeit, um Kindheit und verlorene Illusionen, um Neuanfänge und alte Wunden.

Der Erzähler Danijel, am Ende des zweiten Weltkriegs geboren, kennt den Krieg nur aus den Erzählungen der Erwachsenen, liest aber überall in Maribor seine Spuren, die sich tief in die Stadt und ihre Bewohner eingegraben haben. Auch wenn die ehemaligen Partisanen mit ihrem Helden Tito die Nazis aus dem jetzt Jugoslawien genannten Land verjagt haben, was die Männer, die aus dem Krieg zurückgekehrt sind, in vielen trunkenen und immer wieder ausartenden Nächten zu feiern versuchen, ist kein Frieden eingekehrt. Die Gewalt des Krieges dauert fort, unverarbeitete Traumata und Ressentiments, zum Beispiel gegen die deutschslowenischen Bewohner der Stadt, kochen immer wieder hoch, es brodeln die Konflikte zwischen Nachbarn, zwischen denen, die an Gott und jenen, die an den Kommunismus glauben, zwischen und innerhalb der Familien. Auch in Danijels Familie gibt es solche explosiven Stellen, die immer dann nach außen sichtbar werden, wenn der Vater wieder zu viel Wein trinkt und die Mutter erwägt, ob sie mit dem Sohn besser über Nacht zu ihrer Schwester flüchten soll.

Auffällig ist an Danijels Erzählung, dass sie doppelt indirekt und zugleich stark ich-aufgeladen ist, die Erzählperspektive ist gewissermaßen gebrochen und hält noch einen zweiten, versteckten, erst ganz am Ende kurz auftretenden oder besser aufblitzenden Erzähler im Hintergrund bereit; oft wird die Ezählung eingeleitet mit „Danijel erzählte,…“, worauf lange Passagen in der Ich-Form folgen. Zwischendurch spricht jedoch auch der versteckte Erzähler, über den man nur mutmaßen kann, dass er ein Freund oder Schüler — oder Chronist — Danijels ist, der dessen Erinnerungen Jahrzehnte später zur Aufzeichnung bringt. Mit Danijel als Erzähler hat es nämlich noch eine weitere Bewandtnis. Sein Name verweist auch auf eine Figur und ein Buch der Bibel, auf den apokalyptischen Seher und Traumdeuter Daniel, als welcher auch Jančars Danijel auftritt, mit einem kindlichen, aber dadurch auch unvoreingenommeneren Blick. Dieser Bezug fügt sich gut in die ohnehin stark biblisch aufgeladene Atmosphäre des Romans. Auch der titelgebende Satz „Als die Welt entstand“ lässt sich lesen als Verweis auf das zyklisch sich wiederholende mythische Geschehen auf Erden, auf das Schicksalhafte, Unausweichliche, auf den Tod und auch die Gewalt, die sich immer wieder wie eine unheimliche Energie entlädt. Alles Religiöse ist in Titos Jugoslawien zwar verpönt, aber doch nicht vollkommen aus dem Leben zu tilgen. Auch für Danijel, den seine Mutter gegen den Willen des Vaters hat taufen lassen und als Jugendlichen weiter heimlich zu den Kapuzinern schickt, ist Pater Aloisius mit seinen Geschichten aus der Bibel eine wichtige, wenn auch ambivalente Bezugsperson.

Einen noch größeren Einfluss hat vielleicht die zweite Bezugsperson Danijels außerhalb der Familie, nämlich Professor Fabjan, der dem neugierigen Jungen mit seinem Globus die Welt erklärt und ihm auch vom Himmlischen das Sichtbare und gleichermaßen Faszinierende begreiflich macht, die Wolkenformationen, in deren Anblick sich Danijel so gerne versenkt, allein in Gedanken für sich oder in Gesellschaft seiner Freundin Vasilka. Denn Danijel möchte die Welt um ihn herum begreifen, die ihm immer wieder so unverständlich erscheint, so seltsam und widersprüchlich, wie im Verhalten der Erwachsenen, so faszinierend und auch grausam, wie in seinen Träumen. In Danijels überwältigter Kinderseele spiegelt sich der Zustand der Welt nach dem Krieg, so dass seine eigene Suche nach einem moralischen Kompass fantastisch apokalyptische Züge annimmt. „Als die Welt entstand“ verweist nämlich auch auf das, das was jeder Mensch erlebt, auf das millionen- und milliardenfach sich wiederholende Entstehen und Reifen und Begreifen des Schmerzlichen und des Schönen in der Welt, das mit dem Zeitpunkt der Geburt beginnt und sich bis zum Tod nicht aufhalten lässt. So beginnt Danijel in der Bewegung zwischen Höllenfahrt und Himmelsflug, die Ewigkeit und Endlichkeit des Lebens spüren.

Schließlich erzählt der Autor in diesem Buch auch eine Geschichte des Verschwindens, das verschiedene Formen annehmen kann. So viele Figuren aus dem Text, die für Danijels Welt der Kindheit und Jugend bedeutsam sind, verschwinden nach und nach: Professor Fabjan, der vielleicht nach Patagonien ausgewandert ist oder doch eher nach Sibirien verbannt oder inhaftiert wurde, wie der Autor selbst es war, der Bruder, der sich in eine weitere Davidsfigur verwandelt und sich als solche nach kurzem Auftritt wieder verliert, Lena, die ins Gefängnis geht und danach nicht mehr dieselbe ist; auch der invalide deutsche Nachbar verschwindet eines Tages von heute auf morgen mit seiner ganzer Familie, auch Vasilka und mit ihr ein erstes zartes, im Entstehen befindliches Liebesgefühl, und auch der Vater, der, durch einen Schlaganfall nun auch körperlich versehrt, aus Danijels Leben und ins ferne Kurhaus verschwindet.

Drago Jančar hat ein eindringliches Buch geschrieben, dessen poetisch-realistischer Ton bisweilen an Robert Seethalers Romane über einfache und gebeutelte Lebensschicksale erinnert, um dann für Momente in einer traumgleichen Opulenz apokalyptischer Visionen aufzubranden.

Bibliographische Angaben
Drago Jančar: Als die Welt entstand, Zsolnay 2023
ISBN: 9783552073586

Bildquelle

Drago Jančar, Als die Welt enstand
© 2023 Carl Hanser Verlag, München

bookmark_borderHarald Martenstein: Wut

Ich kannte Harald Martenstein bisher als Autor humorvoll-satirischer Kolumnen zu allen möglichen Erscheinungsformen des kulturellen und alltäglichen Lebens in unserer bisweilen sehr aufgeregten Gesellschaft. Gespannt war ich daher, wie er einen Roman gestalten würde, der dem Klappentext zufolge ja ein ganz schön hartes Thema verhandelt, eine Mutter-Sohn-Geschichte, die von Gewalt, von Schlägen und Wut, durchzogen ist.

Erzählt wird die Lebensgeschichte des als Kind misshandelten Jungen Frank und auch die seiner ihn misshandelnden Mutter. Der Junge wächst bei seiner teils allein, teils im Beisein anderer Männer erziehenden Mutter auf, die eine große und vor allem unberechenbare Wut in sich trägt, die der kleine Frank immer wieder an Körper und Seele zu spüren bekommt. Unauslöschlich sind vor allem die psychische Folgen, eine vielleicht nach außen gar nicht so sichtbare soziale Verwahrlosung des heranwachsenden, dann älter werdenden Mannes. Seine tief verinnerlichte Beziehungsangst geht, wie auch die in ihm schwelende Wut, auf ein Trauma zurück, das auf ihre Weise schon seine Mutter als junges Mädchen während und nach dem Krieg durchlebte, als ihr, zwischen wechselnden Betreuungspersonen herumgereicht, fast jede Chance genommen wurde, zu einer unversehrten und selbstbestimmten Frau heranzuwachsen.

Der Roman, dessen Fiktionalität der gleichwohl sehr autobiographisch wirkende Ich-Erzähler selbst eingangs hervorhebt und mit der romanesken Auflösung der Geschichte am Ende unter Beweis stellt, geht auch wirklich mit der gleichen Zuspitzung vor, die man aus Martensteins Kolumnen kennt. Der Ton ist vordergründig bissig, ironisch und vor allem sehr direkt und ungeschönt. Gerade so gelingt es Martenstein jedoch, dahinter eine gewisse Verletzlichkeit, eine Zerbrechlichkeit aufscheinen zu lassen, ja man möchte fast das hier gar nicht pathetisch verwendete Wort Liebe in den Mund nehmen, die an manchen Stellen die raue, einem beim Lesen ganz schön nahgehende und immer wieder schockierende Erzählung durchbricht. Da außerdem immer wieder das Komische noch im Brutalsten seinen Platz einfordert und sich in diesem Buch nicht der Teufel, sondern der traurig-witzige Clown im Detail versteckt, macht einem das die Lektüre zu einem vielleicht nicht leichten, aber keineswegs völlig niederschmetternden Abenteuer, in dem man erfolgreich daran gehindert wird, eindeutige Urteile und Täter-Opfer-Unterscheidungen zu fällen.

Bibliographische Angaben
Harald Martenstein: Wut, Ullstein 2021
ISBN: 9783550201202

Bildquelle
Harald Martenstein, Wut
© 2021 Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

bookmark_borderMatthias Jügler: Die Verlassenen

Während ich dem Hörbuch zu Matthias Jüglers Roman Die Verlassenen gelauscht habe, fühlte ich mich mehr und mehr an den Kinofilm Das Leben der Anderen in der Regie von Florian Henckel von Donnersmarck erinnert, ähnlich eindringlich, ähnlich schockierend ist die Aufarbeitung eines ähnlich düsteren Kapitels der Geschichte der DDR mit der dramaturgischen und ästhetischen Überzeugungskraft der Fiktion.

Gesprochen wird das Hörbuch von Florian Lukas, dessen ganz leichter Akzent zur ostdeutschen Herkunft des Erzählers passt und der vor allem den Ton der Geschichte, die gefasste, zurückhaltende Emotionalität, sehr gut trifft. Der Erzähler, aus dessen teils kindlicher, teils schon erwachsener Perspektive die Ereignisse durchgehend geschildert werden, nennt sich Johannes Wagner und ist, wie der Autor selbst, Anfang der 1980er Jahre in der DDR geboren. Er erzählt rückblickend, aber sehr präsentisch von der Vergangenheit seiner Familie, die von mehrfachen, dem Jungen von damals unverständlichen Verlusten geprägt ist. In der Rückschau ruft sich der Erzähler verschiedene Szenen aus seiner Kindheit und seiner Teenagerzeit ins Gedächtnis und schlüpft dafür wieder in die Haut des verunsicherten kleinen Jungen, der eher an sich selbst als an den anderen zweifelt. Später wird sich auch der Student inmitten seiner Kommilitonen nie so ganz wohl, so ganz am rechten Platz fühlen, noch später der junge Vater in seinem Eheleben scheitern.

Johannes verliert früh seine Mutter, angeblich ein tragischer Unfall, das Aufwachsen bei seinem nun alleinerziehenden Vater, dessen Traurigkeit er spürt, ohne sie zu verstehen, ist für den Heranwachsenden nicht einfach. Und dann verschwindet auch sein Vater eines Tages, in der Mitte der 1990er Jahre, ganz plötzlich; von einer Geschäftsreise kehrt er nie zurück. Der Junge bleibt von da an bei seiner Oma, bis auch diese stirbt und den jungen Erwachsenen mit einer unaufgearbeiteten Geschichte alleine zurücklässt.

Verlassen, wie es der Titel ankündigt, ist in dieser Geschichte, die, um es nebenbei zu erwähnen, auf der tatsächlichen Lebensgeschichte des Autors beruht, zunächst der kleine Johannes, der seine Verlorenheit und Hilflosigkeit in Tapferkeit zu verwandeln sucht, der immer wieder Hoffnung schöpft, aber sich nie richtig auf andere einzulassen, sich zu binden wagt. Verlassen ist auch sein Vater, wie Johannes viel später klar wird; in einem ihm hinterlassenen Umzugskarton der Eltern findet der bereits erwachsene Johannes einen seltsamen Brief aus Norwegen. Ahnend, dass er hier auf eine bedeutsame Spur gestoßen ist, bricht Johannes in dieses ferne Land im Norden auf. Tatsächlich deckt er dort einen Teil der Vergangenheit seiner Familie und ihres Bekanntenkreises auf, die auf traurige, ja erschütternde Weise kurz vor und nach der Wende noch von der DDR-Geschichte eingeholt wurden.

Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten, sei hier erwähnt, dass es in Jüglers mitreißendem und mitnehmendem Buch um Freundschaft und Verrat geht, aber auch um Politik und Privatheit, um eine fiktionalisierte, aber von der Realität inspirierte Stasi-Operation, die einen vermeintlich staatsgefährdenden Menschen vernichten sollte und seine Familie über mehrere Generationen ins Unglück stürzte. Es geht um die Überforderung der Erwachsenen, um das Schweigen auch gegenüber den Kindern, um Hoffnung, Trauer, Erinnerung, Loyalität und Vertrauen, und nicht zuletzt darum, wie die politischen und menschlichen Verwerfungen in einem Unrechtsregime auch die Generation der danach Geborenen noch aus der Bahn zu werfen vermag. All dies bringt Matthias Jügler in einem eindringlichen und zugleich unaufgeregten Text auf weniger als 200 Seiten bzw. in weniger als vier gelesenen Hörbuchstunden zur Sprache. Berührend, aufrüttelnd und absolut hörenswert!

Bibliographische Angaben
Matthias Jügler: Die Verlassenen, Penguin 2021
ISBN: 9783328601616

Hörbuch: MDR Media GmbH und BUCHFUNK 2021
Gelesen von Florian Lukas
ISBN: 9783868475968

Bildquelle
Matthias Jügler, Die Verlassenen
© 2021 Penguin Hardcover Verlag, München

bookmark_borderAnne Rabe: Die Möglichkeit von Glück

Anne Rabe hat eine Familiengeschichte geschrieben, die, so aufwühlend wie ein Roman, doch eigentlich mehr dokumentarisch-essayistischen Charakter hat. Es geht um die moralischen und emotionalen Abgründe, die sich in der Generation der vor und während dem Krieg aufgewachsenen Generationen auftun und die, heimlich, still und leise, an die folgenden Generationen weiter gegeben werden; um Lebenslügen und Ausflüchte, um den sehnsüchtigen Wunsch und die eitle Einbildung, es besser zu machen, besser zu sein, nur um dann doch wieder ohnmächtig angesichts neuer Verwerfungen dazustehen.

Die Erzählerin, kurz vor der Wende geboren, geht diesen in der eigenen Familie erlebten Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten aus der Perspektive der Nachgeborenen auf den Grund, genauer gesagt aus der Perspektive der ostdeutschen Nachgeborenen. Das Buch gibt somit auch einen tiefen und sozusagen volksnahen Einblick in die Mentalitäts- und Gesellschaftsgeschichte der DDR. Und dieser auch sehr persönliche Blick ist ein mutiger, da er sich, nach Erkenntnis verlangend, der Verletzlichkeit aussetzt.

In diesem Text, der ein eigenartiges Zwitterwesen zwischen Fiktion und Dokumentation, zwischen Geschichtsphilosophie und szenischer Handlung darstellt, zwischen Gesellschaftsanalyse und mit Bedacht biographisch gestaltetem Einblick in den intimen Raum des Privaten, waren für mich die Stellen am schrecklichsten und eindrücklichsten zu lesen, an denen die Erzählerin schildert, wie lieblos, wie brutal über mehrere Generationen hinweg die Kinder erzogen wurden. Schwärzeste Pädagogik in der naiven, selbstgerechten, verzweifelten und auf jeden Fall, so zeigt Anne Rabe, auch ideologischen Verblendung, dabei das Beste für die Familie und die Gesellschaft zu tun. Hier, im intimsten Kern der Gesellschaft, zeigt sich, dass politische Ideologien und Machtstrukturen ins Privateste hineinreichen. Anne Rabes nicht nur ostdeutsche Familiengeschichte lässt keine Ausflüchte mehr zu, wie die Erzählerin, die ihrer Empörung folgt, sind wir alle, ob versehrt oder verschont, in der per se politischen Verantwortung hinzuschauen und zu fragen.

Bibliographische Angaben
Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück, Klett-Cotta 2023
ISBN: 9783608984637

Bildquelle
Anne Rabe, Die Möglichkeit von Glück
© 2023 Klett-Cotta Verlag, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart

bookmark_borderPola Polanski: Ich bin Virginia Woolf

Eine verwöhnte junge Firmenerbin mit Angst vor festen Beziehungen, einer diversen Sexualität und unvollendetem Germanistikstudium, die seit den Deutschaufsätzen in ihrer Schulzeit keinen zusammenhängenden Text mehr geschrieben hat, sich aber unbedingt zur Schriftstellerei berufen fühlt und sich, um ihr Genie von seiner Schreibblockade zu befreien, einer Therapie unterzieht: Das klingt zunächst nach einer Figur, die aus Leif Rands Generationenporträt in Allegro Pastell gefallen sein könnte (vgl. Rezension vom 13.5.2020), so seelen- und haltlos, so verloren und überfordert vom konsumbestimmten Überangebot unserer modernen bindungslosen Zeit scheint auch Inka Ziemer, die Protagonistin von Pola Polanskis Roman. Auch sie scheint in einer Identitätskrise zu stecken, die mehr eine der Form als des Inhalts ist. Gleichwohl auch Inka Ziemer auf ihre Außenwirkung bedacht ist und es in dem Roman zu einem großen Teil um Selbstinszenierung geht, verlässt die Autorin mit dieser Figur den vertrauten Boden einer ironisch gebrochenen Alltagsnormalität von lifesylegeprägten Millennials. Denn ihre Protagonistin fühlt sich nicht nur als Schriftstellerin, sie fühlt sich identisch mit einer ganz bestimmten Schriftstellerin, und zwar mit keiner geringeren als der großen Virginia Woolf. Und bei der Therapie, mit der sie ihre Schreibhemmung lösen will, handelt es sich ausgerechnet um eine Reinkarnationstherapie!

Die vielen in den Text gestreuten Ähnlichkeiten mit der berühmten britischen Schriftstellerin sind also keinesfalls zufällig, das Spiel mit den (Geschlechts-)Identitäten, das wohlhabende Herkunftsmilieu, in dem auch die Protagonistin Pola Polanskis verortet wird, ihr Hang zum Wahnsinn. Das fällt natürlich auch Inka Ziemer auf, deren Nachsinnen über all die bedeutungsvollen Gemeinsamkeiten die Züge einer Farce annimmt und ins Komische gesteigert wird:

Inka, die mittlerweile die ganze Flasche geleert hatte, wurde immer euphorischer. Wie genau das alles zusammenpasste! Diese exakten Übereinstimmungen konnten doch nicht nur Zufall sein. […] Zudem — bei diesem Gedanken geriet Inka vollends aus dem Häuschen — war Virginias Mutter bereits früh gestorben. Genau wie Maman! Und wie Virginia hatte Inka sich immer verlassen gefühlt. Nicht zu vergessen: Beide waren Raucherinnen!

Pola Polanski, Ich bin Virginia Woolf

Inka Ziemer entwickelt mehr und mehr einen Wahn, der auf die Literaturgeschichte Bezug nimmt, eine Art der Bibliomanie, die sich in einer ins Extreme gesteigerten identifikatorischen Lektüre Ausdruck verschafft. Auch hier verwendet die Autorin Pola Polanski ein vertrautes literarisches Motiv. Auch Don Quijote oder Emma Bovary verfallen lesend einem Rausch, der mit einem abgründigen Realitätsverlust einhergeht, indem sie sich in ihren Lektüren verlieren und in eine fiktionale Parallel- oder Gegenwelt eintauchen. Natürlich ist dieser dem Lesen so ursprüngliche, so wesenhafte Prozess des Sich-Spiegelns, der ja auch mit Fantasie und Perspektivwechseln einhergeht und insofern ein großes Moment der Befreiung enthält, nichts, was aus sich selbst heraus psychologisch abseitig wäre, im Gegenteil. Doch Pola Polanskis Protagonistin lebt ihre Manie mit so ausgeprägt psychotischen, narzisstischen Zügen aus, die ihren Ursprung nicht in der Lektüre, sondern anderswo haben, dass klar wird, dass die Autorin mit ihrer schizophrenen Figur auch ein Psychogramm unserer Zeit zu zeichnen versucht; ein Beispiel: Während Inka, so wie vor ihr schon ihre früh verstorbene Mutter, eine fast exzentrische Liebe zu Tieren verspürt, schöpft die Firma ihrer Familie ihre Gewinne gerade aus dem Geschäft mit toten Tieren, das unter dem Deckmäntelchen des Recyclings einen progressiven Anstrich erhalten soll:

Die Firma exportierte tierische Abfälle nach China. Dort waren Schweinsohren und andere Teile, die hierzulande als Abfälle gehandelt wurden, eine Delikatesse.

Pola Polanski, Ich bin Virginia Woolf

Da der Text sich jedoch, wie allein schon die grotesk in Szene gesetzte Theorie einer Reinkarnation Virginia Woolfs spüren lässt, nicht auf eine Entlarvung schizophrenen Sozial- und Konsumentenverhaltens beschränkt, freut man sich über seine erfrischende Vielschichtigkeit, die dem amüsanten und manchmal auch provokanten, aber im Unterschied zu dem der Protagonistin nie inhaltslosen Spiel mit der Intertextualität zu verdanken ist.

Oh, ein eigener Satz! Das war es. Sie musste in Virginias Sätze hineinschreiben wie in einen Flickenteppich. Man konnte heutzutage sowieso nur noch sampeln, es gab ja bereits alles. Die Kopie der Kopie der Kopie.

Pola Polanski, Ich bin Virginia Woolf

Ja, die Ironie macht auch vor dem Verfahren der Intertextualität selbst nicht halt, das, auf die reine Form bezogen, ins Leere abzudriften droht. Was ist das für eine Literatur, die sich an Klassikern abarbeitet, ohne etwas Eigenes mit hineinzubringen? Hier ist ironischerweise doch die so exzentrische Mutter der Protagonistin das vom Wahn befallene, aber innerlich von Fantasie und Geschichten blühende Gegenbeispiel. Der Roman bleibt uneindeutig und ein bisschen verrückt, und das ist gut so.

Bibliographische Angaben
Pola Polanski: Ich bin Virginia Woolf, Größenwahn (2021)
ISBN: 9783957712851

Bildquelle
Pola Polanski, Ich bin Virginia Woolf
 © 2021 Größenwahn Verlag bei der Bedey & Thomas Media GmbH, Hamburg

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